AUSGABE WINTER 2026 Am frühen Morgen geht es zurück nach Neapel. Von hier aus fahren wir mit dem Schnellzug nach Florenz. Der erste Halt ist der Mercato Centrale, die Markthalle. Unten tum- meln sich Händler, oben haben sich Restaurants, Bars und Manufakturen niedergelassen. Hier kann man die kulinarische Signatur von Florenz probieren, den Lampre- dotto. Er gilt als wohl bekannteste Spezialität der Cucina povera, der alten „Arme-Leute-Küche“, und besteht aus dem Labmagen der Kuh, der stundenlang in einer würzi- gen Gemüse brühe köchelt. Das Fleisch wird anschließend dünn geschnitten, in ein knuspriges Brötchen gelegt und mit Salsa verde bestrichen, einer grünen Kräutersoße aus Petersilie, Kapern, Apfelessig, Öl und Basilikum. Schon hat man die toskanische Antwort auf den Döner in der Hand. Auch landschaftlich ein großer Genuss: die Toskana mit ihren sanften Hügeln und wunderschönen Zypressenalleen. Etwa 15 Minuten Fußweg von der Markthalle entfernt ste- hen Menschen Schlange vor dem All’Antico Vinaio in der Via de’ Neri. Fast 45 000 Google-Bewertungen sprechen für sich, das Warten lohnt. Hier wird Schiacciata serviert – war- mes Brot, gefüllt mit allem, was Florenz zu bieten hat. Klas- siker sind Mortadella mit Pistaziencreme und Stracciatella oder die Verbindung aus Rindercarpaccio, Pistaziencreme und gehackten Haselnüssen. Es gibt zahlreiche Varianten, doch sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind üppig und unverschämt gut. Am Nachmittag kommt dann Süßes auf den Tisch. Cantucci, das Mandelgebäck der Toskana, wird traditionell in Vin Santo getunkt, einen bernsteinfarbenen Dessertwein. Wer es cremiger mag, greift zu Zuccotto. Die kuppelförmige Torte besteht aus Biskuit, Sahne, Ricotta oder Mascarpone und kandierten Früchten – ein wahres 42 Meisterstück, das in traditionellen italienischen Kondito- reien am besten schmeckt. Eine weitere Spezialität ist das Schiacciata all’uva, ein süßes, leicht knuspriges und innen saftiges Fladenbrot mit Weintrauben. Während der Wein- lese duftet halb Florenz danach – einfach himmlisch! Ein Teller voll Toskana Hinter Florenz erstrahlt die Toskana in goldenem Licht. Zy- pressen säumen die Straße, Weinreben ziehen sich über sanfte Hügel. Wer früh aufbricht, kann viel sehen. Erster Halt: Bargino. Hier ragt die Kellerei Antinori nel Chianti Classico aus den Hügeln. Das Restaurant Rinuccio 1180 serviert hausgemachte Pasta, Käseplatten und köstliche lokale Weine, begleitet von einer malerischen Aussicht. Von hier führt die Chiantigiana, eine der schönsten Wein- straßen, weiter in den Süden, hinunter bis nach Siena. Fleischfans müssen einen Stopp in der Gemeinde Greve in Chianti einlegen. Auf der Piazza Matteotti steht die Antica Macelleria Falorni, eine traditionelle Metzgerei, die seit 1806 in Familienbesitz ist und als toskanisches Juwel gilt. Zwischen Wildschweinsalami, Wacholder-Pancetta und Chianti-Wurst lebt das Traditionshandwerk. Direkt nebenan liegt das Bistrò Falorni. In entspannter Atmo- sphäre werden regionale Spezialitäten serviert – mit Blick auf einen der schönsten Plätze Italiens. Anschließend führt der Weg nach Panzano, wo Dario Cecchini am Grill steht. Der Metzger ist eine Legende. Seine Restaurants – das Officina della Bistecca und das Solociccia – sind Paradiese für alle, die feines Fleisch und Leidenschaft schätzen. Am Nachmittag führt unsere Reise nach San Gimignano, das „Manhattan des Mittelalters“ mit seinen honigfar- benen Türmen. Hier wartet die preisgekrönte Gelateria Dondoli. Sergio Dondoli arbeitet mit Produkten aus sei- ner Umgebung, jede Sorte erzählt von der Region. Seine berühmte Crema di Santa Fina ist eine Hommage an die Schutzheilige der Stadt – eine seidige Creme mit Safran aus San Gimignano und Pinienkernen. Mutigere wählen Gorgonzola e Noci, wo Blauschimmelkäse aus Schafsmilch und Walnüsse aus Sorrent aufeinandertreffen. Und dann ist da noch Michelle, ein Eis aus Safran-Cantuccini, Avola- Honig und Bitterorangenschale – inspiriert von Michelle Obama, weil sie laut Sergio Dondoli Stärke und Eleganz vereint. Am Abend geht es in das Le Vecchie Mura, ein Restaurant im Herzen von San Gimignano, das so authen- tisch ist wie die Stadt selbst. Hier dreht sich alles um Haus- mannskost. Auf der Karte stehen klassische Gerichte, die seit Jahrzehnten unverändert bleiben. So wie Ribollita, ein deftiger Eintopf, der nicht nur köstlich schmeckt, sondern auch ein Gefühl von Nachhausekommen vermittelt.